Erinnerungen...
Herr K. trifft sein ‚Großes Glück‘
Sr. Wendelburga Lay/ Deutschland – Erste Profess am 22.September 1959
Herr K. war ein Obdachloser, der oft mittags an unsere Tür klopfte und um eine warme Mahlzeit bat. Gerührt von der Aufmerksamkeit und Freundlichkeit, mit der er behandelt wurde, erlaubte er uns, ihn etwas näher kennenzulernen. Wenn es zum Gespräch kam, ging es meistens um etwas in der Vergangenheit, um die gegenwärtige Situation oder die Zukunft. Von Natur aus war er ein sehr ruhiger wenn nicht sogar ein ziemlich stiller Mensch und wenn es zu einem Gespräch kam dann nur, wenn er alleine am Tisch saß.
Herr K. war ärmlich aber immer sehr sauber gekleidet. Er verbrachte die Nächte irgendwo in der Nähe von Limburg. Er hatte für gewöhnlich einen kleinen Koffer dabei mit seinen Habseligkeiten und ein wenig Verpflegung. Es fiel auf, dass er oft ein blaues Auge und Blutergüsse und Prellungen an Kopf und Armen hatte. Er wurde wohl oftmals mit Fäusten traktiert, wenn es Ärger unter seinen Kompagnons gab. Mit der Zeit vertraute er mir mehr und mehr. Ich fragte ihn nach seinem früheren Beruf oder seiner Beschäftigung, um zu se-hen, ob nicht die Möglichkeit für ihn bestände, vielleicht eine Pension oder Sozialversicherung zu beziehen. Er sagte, er hätte alle seine ‚Papiere‘ bei einem Bürgermeister hinterlassen, und dass er 75 Jahre alt sei.

Ich sagte ihm, dass er in diesem Alter Anrecht auf eine Altersrente hätte, aber er antwortete, dass er niemanden hätte, der ihm helfen könne, seine Papiere in Ordnung zu bringen.
Ich fand einen Sozialarbeiter im Caritas-Zentrum in Limburg und einen Beamten, der sich mit um diese Angelegenheiten kümmerte, und nahm Kontakt mit ihm auf.
Herr K. erhielt seine Papiere vom Bürgermeister, übergab sie dem zuständigen Beamten und dieser befasste sich dann mit Herrn K.s Problem.
Eines Tages kam Herr K. freudestrahlend zu mir und sagte, dass sein Antrag angenommen sei. Jedes Mal, wenn er eine offizielle Benachrichtigung erhielt, zeigte er sie mir. Ich, auf der anderen Seite, betete inbrünstig, dass sich alles zum Guten wenden möge. Herr K., der des Lebens überdrüssig gewesen war, lebte auf, denn jetzt gab es Hoffnung!
Nach einer Weile kam er voller Freude und zeigte mir, dass sein Antrag genehmigt worden war. Jetzt war er berechtigt eine Altersrente zu erhalten und eine zusätzliche einmalige Zahlung von DM 35.000. Herr K. war so überwältigt, dass es ihm fast nicht möglich war, seine Dankbarkeit in Worte zu fassen.
Er ging dann später in seine Heimat (Siegerland) zurück, wo er einen geeigneten Platz in einem Altenheim fand. Danach habe ich dann nichts mehr von ihm gehört.
Aber mich erfüllte eine große Freude und Genugtuung, dass ich diesem armen Menschen in seiner verzweifelten Lage hatte helfen können.




