Bericht aus Nigeria, Teil VI
Bericht aus Nigeria, Teil VI
Heute, Freitag, war dann endlich der Mann vom Generator da - Kundendienst in Notfällen angeblich in 24 Stunden, aber es war ein bisschen länger seit Dienstag. Na ja, nigerianisch.
Er hat die Bruchstelle geflickt, wie lange das jetzt hält, weiss ich nicht. Aber ich habe dann aus Spaß ein Bild gemacht von der Stromversorgung, wo Nepa und der Generator zusammenkommen und mit einem Hebel jeweils umgestellt werden kann, von Nepa auf den Generator und zurück. Horst und die, die etwas von Stromkabeln verstehen, werden sich freuen. Das Bild sitzt zwischen dem Abschied von Sr. Felicia und den Bildern von den beiden Baustellen.
Seit gestern ist wieder eine Kandidatin da, aber diesmal glaube ich nicht, dass wir sie behalten können. Sie war schon in drei Gemeinschaften, ist schon 36 und sehr behäbig. Ich habe einmal bisher mit ihr länger gesprochen, mehr kommt dann morgen. Sie ist sicher guten Willens, aber irgendwie so antriebsarm.
Also, das Gespräch hatte ich heute Nachmittag, jetzt ist Sonntag. Es war nicht so einfach, aber sie hat es dann angenommen, dass sie bei uns nicht noch einmal anfangen kann. Trotzdem bringen wir sie morgen heim, das habe ich ja versprochen. Ich fahre dann aber nicht mit, sondern habe Sr. Henrietta gebeten. Jetzt ist Montag, 20.8., abends. Ich bin richtig froh, dass ich nicht mitgefahren bin heute. Cajetan ist mit Sr. Henrietta und der Kandidatin um 9 Uhr gefahren. Gegen 1 Uhr waren sie in dem Dorf, wo sie herkam, dort hat die Mutter aber gerade erst mit Kochen angefangen. Sie haben dann nicht gewartet, sondern sind wieder gefahren. Es hat den ganzen Tag meist heftig geregnet, und die Strassen waren sehr schlecht. Auf der Rückfahrt war dann noch ein Überfall von Räubern. Cajetan hat es Gott sei Dank gemerkt, dass eine Weile keine Autos ihm entgegenkamen, er hat dann gehalten, wo noch mehrere Autos standen, und die haben bestätigt, vor ihnen hat es Schiessereien gegeben. Alle haben dann gut zwei Stunden gewartet, bis wieder Verkehr anfing, dann sind sie vorsichtig gefahren. Sie waren erst nach 17 Uhr hier, ich war schon sehr unruhig.
Mein Husten sitzt sehr tief und tut weh, ich komme gar nicht weg davon und kann auch schlecht schlafen. Ist halt Risiko hier.
Die Kandidatin, die heute kommen sollte, ist nicht erschienen, und am Telefon erreiche ich sie nicht. Da weiss man auch nie, was dann dazwischenkommt. Es regnet und regnet, und alles trieft.
Unterricht habe ich heute auf Schonkurs gemacht. Ich habe sie beauftragt, zu zweit die nächsten Seiten in der Kirchengeschichte zu lesen und Fragen zu sammeln. Ich habe dann eine Übersicht zusammengestellt, die Freiheitsbewegungen und die drei großen Revolutionen der Neuzeit.
Heute abends tut es das Internet auch nicht, wohl vom Regen. Es kommt keine Verbindung zustande.
Jetzt ist Dienstag früh. Sr. Nkechi fährt gleich nach Logara mit irgendwelchen Rechtsanwälten. Sie war sehr enttäuscht von Nnembe, wo sie mit Juanna war. Juannas Schwester haben sie gefunden, sie ist schon im 9. Monat schwanger, von wem, weiss sie nicht. Ihren Bruder hat sie nicht gefunden, aber gehört, er sei fast blind. Er ist ungefähr 12, meint sie.
Sie ist sehr gedrückt. Im September will sie noch einmal hin, weil Bekannte ihr versprochen haben, bis dahin den Bruder ausfindig zu machen. Die Schwester will auch nicht aus Nnembe weg, sie fühlt sich in diesen Gegebenheiten wohl, und dass 14jährige Kinder bekommen, scheint normal. Und im Kinderhaus hat Chinasa, die Dreizehnjährige sich entschieden, nicht zu bleiben, sondern zu ihrer Großmutter auf die Strasse zurückzugehen. Sie hatte das Klassenziel nicht erreicht, sollte die 5. Grundschulklasse wiederholen, und das will sie nicht.
Gestern wurde Sr. Salesiana 70. Wir haben sehr an sie gedacht und für sie gebetet, und die Postulantinnen können gar nicht verstehen, dass sie telefonisch nicht erreichbar war. Sie ist aber bei ihrer Schwester in Assmannshausen, und ich kann das Abtauchen gut verstehen.
Und gleich fahre ich mit Cajetan nach Oguta, ein paar Bilder machen auf der Baustelle dort, und die Kinder sehen, auch Ngozi. Sr. Nancy hatte von USA letztes Jahr Kasperlpuppen mitgebracht. Das Krokodil war kaputtgegangen, das hatte ich mitgebracht und jetzt geflickt. Meist werden die Puppen als Ballersatz gebraucht, nur ab und zu spielen sie wirklich damit. Erst hatten Kelechi und Ngozi Angst vor den Puppen, jetzt lieben sie sie. (Fortsetzung folgt)




