An alle Freunde und Förderer unserer Nigeria - Mission
Liebe Freunde, Wohltäter, Interessierte,
in diesem Jahr erreicht Sie der Weihnachtsbrief wohl erst zum Neuen Jahr. Aber wir alle hoffen und beten, dass Sie ein friedvolles, gutes und frohes Fest erleben konnten und nun mit Zuversicht und Hoffnung in das Jahr 2012 gehen können.
In Deutschland, so hören wir immer wieder, macht die schleichende Verdunstung des Glaubens ebenso Sorge wie die Eurokrise.
Hier in Nigeria hatten wir nach den sich bis in die Jahresmitte hinziehenden Wahlen (Präsident, Gouverneure = Ministerpräsidenten der 36 Bundesländer, lokale Administration) auf etwas mehr Ruhe und Sicherheit gehofft. In den Orten, wo unsere Schwestern wirken, sind bisher zwar mehrere Raubüberfälle gewesen, aber wir selbst blieben Gott sei Dank verschont.
Bei ständig steigenden Lebensmittel- und Benzinpreisen verschärft sich das Mühen um die Alltagsbewältigung besonders bei den Armen. Neuerdings können wir sogar manche Medikamente nicht mehr bekommen, weil die Container im Hafen festgehalten werden. So ist derzeit kein Tegretol für die vielen Epilepsie-Kranken erhältlich.
Aber Kinder brauchen Schulen, Kranke Versorgung, Jugendliche eine Hoffnung.
So sind unsere Dienste für die Menschen weiter nötig, und dank Ihrer Hilfe können wir vielen helfen.
Bis Ende 2008 hatten wir drei Gründungen errichtet, im Südosten (Mgbele), Südwesten (Ifetedo) und in der Mitte Nigerias (Garam), nahe der Hauptstadt.
Damit sind wir in den Siedlungsgebieten der drei größten Völker Nigerias vertreten und bilden so intern eine Klammer in diesem Vielvölkerstaat.
Schwestern aus zwei der drei großen Volksgruppen wie aus mehreren kleineren Stämmen haben sich der Gemeinschaft angeschlossen.
Noch ist das Verhältnis nicht ausgewogen, aber ein Anfang ist gemacht. Unsere Pläne für die Zukunft sehen vor, dass wir zunächst im Umkreis aller Standorte je ein zweites kleineres Haus in diözesanen Projekten anstreben, und erste Anfragen liegen uns vor.
Weiterhin werden in den ländlichen Gebieten Schulen und Angebote der Gesundheitspflege am meisten gebraucht. So bauen wir mit unseren Schwestern die begonnenen Projekte aus. Ich möchte Ihnen ein paar Streiflichter zeigen:
Seit Juli hat sich unser Kinderhaus in Mgbele verändert. Wir betreuen jetzt 18 Kinder, 4 davon sind noch keine 18 Monate alt. Über die kleine Chidera hatte ich schon im Juli geschrieben; sie hat sich inzwischen gut erholt, sitzt und steht.
Drei neue Kleinkinder kamen nach Auflösung einer sog. Babyfabrik, wo Kinder für den Sexhandel zusammengestohlen werden. Es ist noch nicht klar, ob das Gericht diese Kinder für die Adoption freigeben wird. Wir sorgen dafür, dass es den Kleinen jetzt gut geht. In Fernsehen und Radio wurden sie vorgestellt, leider haben sich die Eltern nicht gemeldet, aber wer weiß, ob diese Menschen überhaupt Zugang zu solchen Kommunikationsmitteln haben. Unser erstes Kind, Ngozi, war von Juli bis August in Deutschland. Unsere Schwestern in Wesseling, die Ärzte und MitarbeiterInnen im Dreifaltigkeitskrankenhaus haben sich sehr um sie bemüht. Obwohl keine Operation und damit Beseitigung der Fehlstellung des gelähmten Beins möglich war, hat der Aufenthalt sich gelohnt. Auch der doch recht anstrengende Flug ging problemlos; auf dem Rückflug bat sie die Stewardess um Bappeljuice, wie sie Apfelsaft nannte. Sie geht jetzt wieder zur Schule.
In der Klinik in Mgbele finden recht viele Entbindungen statt, langsam wächst auch der Einzugsbereich. Und an der Schule wird eifrig gebaut, die Schülerzahlen wachsen.
Am 28.4.2012 werden Vertreter der Schweizer Stiftung zur Einweihung des 2. Bauabschnitts kommen; schon jetzt sind es 4 Vorschul- und 2 Grundschulklassen.
Ähnliches Wachstum ist auch in unserer Schule in Ifetedo zu sehen. In Area 4 konnten wir mit Hilfe der Geschwister Afrikas wohl einen Brunnen bauen, aber das versprochene Land für die Schule bekamen wir nicht. Wir haben dann stattdessen eine Schule in Ifetedo begonnen, in einem rasch erstellten Holzbau nahe am Konvent. Dort sind jetzt schon ein Kindergarten und eine Vorschule sowie 3 Grundschulklassen. Natürlich sorgen wir auch weiter für die Kinder in Area 4, aber bauen können wir noch nicht. Zur Holzschule kam auch Hilfe von den Geschwistern Afrikas sowie von der Sternsingeraktion des Pfarreienverbandes Dernbach-Wirges.
Der Konventsbau in Ifetedo ist fertig und groß genug, um mit der Zeit einen Teil der Ordensausbildung nach dort zu verlegen. Zu unserer großen Freude haben Lions- und Rotaryclubs im Westerwald uns einen stabilen Geländewagen für die schlimmen Straßen rund um Ifetedo gespendet.
Wie in Ifetedo, so geht auch in Garam die Arbeit mit der Klinik gut weiter. Die Schule in Azhin Kasa hat ebenfalls bereits 3 Grundschulklassen und wächst. Überall gewinnen so auch junge ausgebildete Nigerianerinnen bezahlte und zuverlässige Arbeit neben unseren Schwestern.
Wir haben für alle unsere MitarbeiterInnen ab 1.1.2012 eine Altersversicherung in Angriff genommen, so wie wir für Schwestern und Kinder Verträge mit einer Krankenversicherung abgeschlossen haben.
Für Deutschland sind das Selbstverständlichkeiten, hier haben die Leute solche Möglichkeiten nur in den großen, meist ausländischen Firmen.
Für uns ist es ein Teil des Einsatzes für Gerechtigkeit und Frieden, selbst wenn es, da unüblich, viel Mühe macht.
Seit Sommer 2011 bemühen sich die Schwestern um den Aufbau eines Freundeskreises in Nigeria. Die Gruppe wächst und gelegentlich kommt es auch zu einer Spende.
Ich möchte schließen mit dem Kurzbericht über unsere Power Girls (s. Spenderbrief vom Dezember 2010). Mädchen zwischen 12 und 16 Jahren, die meisten bisher ohne Chance des Schulbesuchs, kamen über zwei Jahre an mehreren Samstagen zu uns. Sie lernten etwas über ihren eigenen Körper, Hygiene, Ernährung. Wir übten mit ihnen Umweltpflege, Sauberhalten und Ausbessern von Kleidung, sprachen über Rolle und Würde der Frau. In kleinen Gruppen lernten sie, leicht verkäufliche Snacks herzustellen. Am Ende konnten 21 von ihnen ihr Zertifikat wie kleine praktische Geschenke mit nach Hause nehmen. Allein schon die Tatsache, dass speziell Mädchen eingeladen waren, dass sie neben Unterricht und Übungen spielen und tanzen konnten und gutes Essen bekamen, war eine besondere Freude - und prompt bekamen wir Anfragen, wann wir denn die Jungen einladen. Aber diesmal ging es uns um Mädchen, und 2012 wird der nächste Kurs beginnen. Wenn die Aufmerksamkeit nachließ, brauchte die Schwester nur zu rufen "Power Girls" und "Courage" (Mut) kam als kräftige Antwort zurück.
Gehen wir also mit Mut und Gottvertrauen ins Neue Jahr. So hat es uns ja auch schon Mutter Maria Katharina Kasper gelehrt: Wenn wir Gottes Willen tun und auf Gott vertrauen, wird es gut gehen.
Danke für Ihre Hilfe und Ihr Interesse.
In Nigeria beten für Sie:
Schwester M. Christeta und die Gemeinschaft der Schwestern
in Garam, Mgbele und Ifetedo







