Anerkennung
Nun läßt sich der allgemeine Zustand in der Ordensleitung nicht länger aufrechterhalten. Superior Johann Jakob Wittayer muss die von ihm wahrgenommenen Rechte an die Generaloberin abtreten, der inzwischen im Generalrat weitere Frauen zur Seite stehen.
Diesen Kompetenzverlust kann der Superior, wie sich später herausstellt, menschlich nicht bewältigen. Er greift häufig in die Kompetenzen der Generaloberin ein und erhebt gegenüber dem Bischof mehrfach haltlose Anschuldigungen.
Maria Katharina behält dennoch Johann Jakob Wittayer bis zu seinem Tode 1881 als ständigen Berater, behandelt ihn mit größter Achtung und lässt sich nach außen nichts anmerken. Erst durch einen Zufall wird während des Seligsprechungsprozesses 80 Jahre später bekannt, welches Unrecht sie erduldet hat.
Für die kirchliche Würdigung des Lebens der Stifterin bedeutet ihr Schweigen, die duldende Hinnahme des Unrechts um der Anliegen des Ordens willen eine klare Aufwertung. Dieses Leid wird zum Prüfstein der Liebe. Die Stifterin sagt selbst:
"Meine lieben Schwestern, lieben wir unser Kreuz und teilen wir es mit dem lieben Heiland; folgen wir ihm auf Golgotha und bleiben wir stehen unter dem Kreuze, bis wir mit Jesus sagen können: Alles ist vollbracht!"

- Verkündigungsengel, Kathedrale Salisbury, Foto: Sr.Benedicta Köth, ADJC
Es gibt Situationen, in denen ein Christ kämpfen muss. Oft ist der Mut gefragt, für die Wahrheit einzutreten, und wir weichen aus. Ist so das Schweigen der Gründerin zu verstehen?
Oder will sie das Werk, das sie Gottes Fügung zuschreibt, durch Verzicht auf eigene, berechtigte Interessen vor einer Gefährdung bewahren?
Will sie lieber in Kauf nehmen, dass ihre persönliche Ehre zerstört wird, um vermeidbare, aber gefährliche Auseinandersetzungen zu verhindern?
Maria Katharina stellt das Wohl der Kongregation über ihr persönliches Wohl. Sie glaubt, dass Gott die Situation durch ihr Opfer zum Guten wenden kann. Sie, als Generaloberin hat keine festen Pläne, nach denen sich die Kongregation entwickeln soll. Sie will vielmehr aktuelle Notlagen als Zeichen der Zeit und Anruf Gottes aufgreifen und darauf reagieren.





