Aloysia Löwenfals
Erfindungsreich sind die Nazis in ihren Repressionen gegen die Kongregation: So erheben sie sehr hohe „Steuernachforderungen“ und beschlagnahmen z.B. das Kloster Tiefental, das sie in ein NS-Schulungszentrum umwandeln.
Immer wieder richten sich auch Maßnahmen gegen Einzelpersonen. Schwester Adelgardis Schröder, die z.B. im Unterricht in der Limburger Marienschule eine abfällige Bemerkung macht, ist eine unter vielen, die deshalb einige Zeit im Gefängnis verbringen muss.
Das Jahr 1942 bildet einen weiteren traurigen Höhepunkt in der Auseinandersetzung zwischen Kirche und Nazi-Regime.
Auf den Protest der holländischen Bischöfe reagieren die braunen Machthaber mit der Festnahme und dem unmittelbar folgenden Abtransport der Katholiken jüdischer Abstammung in Holland.
Konvertiten, die getauft sind, dürfen keine Verschonung vom Völkermord erwarten. Gleichzeitig mit Karmelitin Edith Stein – 1987 selig gesprochen – wird Schwester M. Aloysia Löwenfels im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau vergast. Ihr Leben lassen sie als Opfer des Widerstandes für die Kirche, für Christus.
Wie Edith Stein entstammt Aloysia Löwenfels einer begüterten, kinderreichen jüdischen Familie. Als jüngste von sieben Geschwistern am 5. Juli 1915 geboren, zieht es sie schon als Kind zum katholischen Glauben hin. Der Besuch einer Klosterschule löst in ihr den Wunsch aus, katholisch zu werden. Mutter und Brüder setzen diesem Willen schroffsten Widerstand entgegen. Deshalb verlässt sie ihr Elternhaus und geht nach Frankfurt, wo sie Kontakt zu den Armen Dienstmägden findet.
Ein Priester, der damalige Kaplan Keuyk, schildert später: „Die erste Begegnung mit ihr wird mir unvergesslich bleiben. Ihre Persönlichkeit machte auf mich den stärksten Eindruck. Mit einer bewunderungswürdigen Seelenruhe berichtete sie mir zwei Stunden lang über ihr äußeres und inneres Leben.“
Im Dezember 1937 wird Luise Löwenfels ins Postulat aufgenommen, ein Jahr später – am 17. September 1938 – wird sie eingekleidet und empfängt den Namen "Schwester Aloysia". Weitere zwei Jahre später legt sie ihre Ordensgelübde ab. Die Ordenleitung bringt sie aus Furcht vor den Nazis in Holland unter.
Am 26. Juli 1942 verlesen die kath. Bischöfe Hollands öffentlich einen gemeinsamen Hirtenbrief mit scharfen Protesten gegen die Grausamkeiten der Besatzungsmacht gegen Nicht-Arier. Am Sonntag, dem 2. August 1942, läutet während eine Messfeier im holländischen Lutterade die Pfortenglocke. Innerhalb weniger Minuten muss Schwester Aloysia sich bereit machen, dann erfolgt schon der gewaltsame Abtransport. Gemeinsam mit etwa tausend Katholiken jüdischer Abstammung endet sie Fahrt im Vernichtungslager. Vermutlich am 9. August wird Schwester Aloysia gemeinsam mit ihren Leidensgefährtinnen von Massenmördern umgebracht.






