Grundsätzliche Fragen
stellen sich jetzt, als der Orden sich stark ausbreitet. Viele Anfragen erreichen das Mutterhaus. Viel Gutes könnte in aller Welt geleistet werden. Aber wo anfangen? Wo sollen die Schwerpunkte gesetzt werden? Für Maria Katharina ist klar, dass die bedürftigen Kranken und die Waisenkinder sowie auch die Behinderten Vorrang haben. Staatlich organisierte Fürsorge ist im 19. Jahrhundert so gut wie unbekannt. Da sind die genannten Gruppen ganz auf das Mitleid anderer Menschen angewiesen. Auch stellt sich bald heraus, dass die Altenfürsorge ebenso notwendig ist.
Außerdem bildet sich ein zweiter Zweig heraus: die Erziehung der Jugend. Wie wichtig eigene Schulen sind, hat sich schon in der Anfangsphase in Dernbach gezeigt, weil die Waisenkinder auf besondere Betreuung angewiesen sind. Lange zögert Maria Katharina gegenüber dem Drängen von Superior Wittayer und Bischof Blum, Schulen zu gründen.
Eine Aufgabenbeschreibung der Kongregation aus dem Jahre 1867 fordert dazu auf, "um Jesu willen dem Dienste der Armen und Kranken sich zu unterziehen sowie der Erziehung und Bildung der weiblichen Jugend sich zu widmen."
Nur auf solchen Stationen, wo zugleich wenigstens zwei bis drei Krankenschwestern zur Verfügung stehen, dürfen sich auch Schwestern mit Erziehung und Schulunterricht befassen.
Diese Festlegung über den Vorrang der Aktivitäten bewirkt, dass eine Reihe von Elementarschulen gegründet werden, ebenso gibt es Verwahrschulen und Industriezentren, wo Frauen tagsüber Fabrikarbeit leisten müssen. Die Zahl der höheren Schulen bleibt aber gering. Bildung und Erziehung - das sind unbestritten zentrale Ansatzpunkte zur Bewältigung der sozialen Frage des 19. Jahrhunderts.
Die "Armen Dienstmägde Jesu Christi" kennen aber auch die Grenzen ihrer Möglichkeiten und bevorzugen die "Erste Hilfe" gegenüber den sozialen Nöten. Das Naheliegende, die vorrangigen Aufgaben wollen sie zuerst bewältigen.





