Die Zentraltafel
Im Zentrum des Bildes steht die Figur Mariens. Die Art ihrer Darstellung gehört zum Typus der Schutzmantelmadonna.
Er symbolisiert quasi mittelalterliche Rechtsanschauung, nämlich den Schutz von Verfolgten unter dem Mantel einer hohen Frau, einer Fürsprecherin, hier Mariens. Seine Ausdeutung als theologisches Motiv und dessen künstlerische Umsetzung fand seit dem 13. Jahrhundert weite Verbreitung. Sie war besonders im Dominikaner- und Zisterzienserorden sehr geschätzt.
Maria ist bekleidet mit dem für sie typischen blauen Mantel - als Zeichen ihrer besonderen Würde. Der ihren Kopf umgebende Nimbus ist deutlicher hervorgearbeitet als der Heiligenschein der anderen abgebildeten Heiligen.
Ihr Mantel wird durch die ausgebreiteten Arme fast gleichmäßig geöffnet, wobei die rechte Hand eine beschützend-segnende Geste vollführt.
Dieser Mantel bildet den schützenden Hintergrund für sechs vor ihr kniende Schwestern, die in zwei Gruppen zu je drei angeordnet sind. Mit der Gründerin der Kongregation, Maria Katharina Kasper, zusammen legten nur vier weitere Schwestern ihre Gelübde ab. Von diesen fünf Schwestern starb die eine bereits 1865. Von einer anderen Schwester dieser Gruppe hatte sich die Gemeinschaft schon vorher (1862) getrennt. Davon auszugehen, der Maler habe die Gründerin und ihre ersten Gefährtinnen dargestellt, trifft demnach nicht zu.
Die Körpergröße der abgebildeten Personen ist in natürlicher Relation zueinander gleich groß. Maria hingegen ist in Übergröße dargestellt, was auch ihre Bedeutung unterstreicht. Dem Typus der Schutzmantelmadonna entsprechend sind die Geschützten in bittender Position gemalt. Sie sind bekleidet mit dem Ordenskleid der Gemeinschaft.
Außerhalb ihres Mantels befinden sich zur Linken und Rechten Mariens - gleichsam einrahmend - weitere Schwestern. Auf der linken Hälfte sind fünf Schwestern dargestellt. Eine weitere, links dargestellte Figur unterscheidet sich durch ihre Tracht von den anderen. Bei ihr handelt es sich um eine 'Laienschwester' oder 'Dienende Hausschwester'. Von diesen Schwestern sprechen nur die Konstitutionen der Kongregation aus dem Jahre 1870. Sie geben an, dass diese Schwestern nicht am lateinischen Brevier teilnahmen und keinen Schleier, sondern ein sog. Tibethäubchen trugen. Gemeint ist damit eine Haube aus einer Art Wollstoff. In späteren Fassungen der Konstitutionen werden Laienschwestern nicht mehr erwähnt. Auf der rechten Hälfte des Werkes sind sechs weitere Schwestern zu erkennen.
Die Schwestern bilden jedoch nicht den einzigen Hintergrund für Maria.
Die Vertikalachse ihres Körpers wird verlängert durch einen Teppich. Er teilt - quasi schwebend - die Hintergrundlandschaft in zwei gleiche Hälften und trennt die Mutter Gottes und ihre Beschützten von der dahinterliegenden Welt. Der Teppich wird jeweils links und rechts von einem Engel gehalten. Ihre Darstellung weist symbolhaft auf den übernatürlichen Bezug des Schutzgeschehens hin. Auf dem Teppich sind neben neogotischen Maßwerkornamenten stark stilisierte Blumen abgebildet. Sie sind als Lilien erkennbar und weisen als Attribut Mariens auf ihre Reinheit, Unschuld, Jungfräulichkeit hin. Als Eigenschaften werden sie gleichsam von den abgebildeten Schwestern geteilt.
Die vom Teppich geteilte, leicht hügelige und mit Baum- und Buschwerk eher karg gestaltete Hintergrundlandschaft könnte als typische Westerwaldszenerie angesprochen werden. Die rechte Bildhälfte zeigt prägnant und deutlich eine zeitgenössische Darstellung der im neugotischen Stil errichteten Kapelle des Mutterhauses.





