Der Kreuz-Anhänger hat eine tiefe symbolische Bedeutung:
Unser, mein Lebensbaum, wurzelt im Kreuz, aus dem durch Christi Erlösungstat neues Leben entspringt.
Das Samenkorn ist ein Symbol für Mutter Maria Katharina, die aus der Kraft des Kreuzes die Gemeinschaft ins Leben gerufen hat und sich getragen wusste von seiner – Christi – Liebe.
So wächst im Vertrauen auf diese Kraft der Baum als Sinnbild unserer Kongregation und meines persönlichen Lebens.
Die Blätter weisen hinaus in die Welt und stehen stellvertretend für viele Länder unserer Erde, in denen ADJC für Gottes Reich wirken.
Nur in Verbindung mit dem Kreuz Jesu wird dieser Baum weiterleben.
Tod und Auferstehung in der Offenheit, in dem Hindurchsehen, machen Zukunft möglich. Das Kreuz vor der offenen „Tür“.
Zeichen für Durchgang und Neuwerden, Sicheinlassen auf Unbekanntes, vielleicht Dunkles, um daraus wieder ins Licht zu treten.
Gleichzeitig aber ist diese Offenheit Einladung: Ich lasse den Mitmenschen ein und gebe ihm teil an meinem Leben, oder aber ich komme ihm entgegen nach draußen und wirke so Begegnung.
Ursprung, Halt und Stütze aus dem Kreuz, das im Vordergrund steht – so gelingt unser Leben.
(Sr. Roswitha Ruh, Künstlerin dieses Kreuz-Zeichens)
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Geistliches Leben ist nicht totzukriegen
Es ist nun ziemlich genau 200 Jahre her, im Februar 1803 geschah es, dass alle Klöster und Abteien in Deutschland  von Staats wegen enteignet und fortan für unnötig erklärt wurden. Das geschah im Gefolge der Französischen Revolution, der Napoleonischen Kriege und der Gebietsverluste deutscher Fürsten im linksrheinischen Gebiet. Sie wurden entschädigt mit Kirchengut, Landbesitz von Stiften, Diözesen, und vor allem Klöstern.

Eine solche Vertreibung von Mönchen und Nonnen landesweit hatte es zuvor nicht gegeben. Es konnte auch nur geschehen, weil die Religion und das geistliche Leben infolge der Aufklärung und des gesamten gesellschaftlichen Klimas dieser Zeit nur noch einen geringen Stellenwert hatte. Viele der Klöster waren tatsächlich nur noch sehr schwach besetzt, es hatte eine schwerwiegende Nachwuchskrise gegeben. Über Jahrhunderte hatten die Klöster die Kultur des Volkes weitergegeben, hatten Bibliotheken aufgebaut, Handschriften und Drucke gesammelt, wundervolle Kunstschätze finanziert und zusammengetragen.

Aber sie waren durch den Zeitgeist angekränkelt, überaltert, müde geworden. Den Fragen der Zeit hatten sie wenig entgegenzusetzen. Die Kontakte zu den Menschen waren spärlich. Für die großen Entwicklungsprobleme des beginnenden 19. Jahrhunderts, mit der Industrialisierung und den Fragen der Kolonialmächte, gab es innerhalb der Klöster wenige Antworten, kaum Hilfsmöglichkeiten.
Von Staats wegen, von der Gesellschaft geduldet, wurden also alle Klöster geschlossen. Ihr Grundbesitz wurde an Fürsten und Adelige verteilt. Die wenigen noch lebenden Mönche und Nonnen wurden mit einer geringen Entschädigung in ihre Familien entlassen. Welches persönliche Leid sich da vollzog, ist kaum dokumentiert, von der Geschichte vergessen.

Es ist erstaunlich, dass in der Mitte des 19. Jahrhunderts, also knapp 50 Jahre später, ein Ordensfrühling ungeahnten und nie vorher dagewesenen Ausmaßes sich in Westeuropa ereignete. Vor allem in Deutschland, wo die Säkularisation von 1803 sich so schrecklich ausgewirkt hatte, war das deutlich. Allein in Deutschland entstanden im Zeitraum von 1840 bis 1860 über 60 Ordensgemeinschaften neu. Es waren andere Ordensgemeinschaften als zuvor, Gemeinschaften, deren Mitglieder zu den Menschen hinausgingen, zu caritativen, pädagogischen, sozialen Diensten. Aber es war Leben aus der gleichen Wurzel der Berufung durch Gott zu einem Leben für Gott im Dienst an den Menschen.
Gottlob wurden von etwa 1900 an auch viele der alten Klöster neu besiedelt, vom Ausland aus zumeist, wie etwa Marienstatt im Westerwald durch die Zisterzienser in der Schweiz,  oder auch St. Hildegard in Eibingen. An vielen Stellen verbanden sich auch die alten mit den neuen Orden, indem leerstehende, ehemalige Klöster und Abteien von den neuen caritativen Gemeinschaften übernommen wurden. Einer solchen Geschichte wollen wir hier nachspüren, denn auch Kloster Tiefenthal hat Wurzeln, die rund 900 Jahre zurückreichen. Hier ist ein Kloster mit einer langen Tradition, ein durch Jahrhunderte der Anbetung geweihter Ort, an dem seit über 100 Jahren nun erneut Ordensleben gelebt wird. 100 Jahre Prämonstratenserinnen, 600 Jahre Zisterzienserinnen, knapp 100 Jahre Stillstand, jetzt erneut über 100 Jahre Arme Dienstmägde Jesu Christi. Ordensleben lebt, weil Gott lebt, Menschen beruft, und weil Menschen andere Menschen um Gottes willen brauchen.

Altes Kloster Tiefenthal, um 1700
Buchmalerei, Äbtissin von Tiefenthal vor der Muttergottes,
Tiefenthal um 1900